Wie unterstützt Simulation die Bewertung und Sanierung von Brücken?

Verkehrsbauwerke wie Brücken sind meist sicherheitskritisch und unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Eine frühzeitige Aufdeckung von Sanierungsbedarf und Einleitung von Maßnahmen setzen eine zuverlässige Bewertung voraus. Zudem werden Ressourcen geschont, wenn die Funktionstüchtigkeit eines Bauwerks nachgewiesen und ein Abriss und Neubau umgangen wird. Die Ingenieure von Geodynardo führen entsprechende Analysen mit Ansys durch.

Blog_Geodynardo_Bild00-Header
Mainbrücke Marktheidenfeld | © Adobe Stock; CADFEM/Be:Lateral, Geodynardo

Zusammenfassung 

  • Geodynardo nutzt simulationsbasierte Analysen mit Ansys, um die Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit bestehender Bauwerke realitätsnah zu bewerten und gezielte Sanierungsmaßnahmen abzuleiten.
  • Am Beispiel der Mainbrücke Marktheidenfeld zeigt sich, dass dynamische Simulationen von Schiffsanprallen zusätzliche Lastreserven aufdecken und das tatsächliche Bauwerksverhalten genauer erfassen als vereinfachte Berechnungen.
  • Durch die Kalibrierung von Simulationsmodellen mit Messdaten können bestehende Brücken langfristig überwacht, zukünftige Belastungsszenarien prognostiziert und Erhaltungsmaßnahmen effizient geplant werden.

Simulationsbasierte Untersuchungen vorhandener Bausubstanz hinsichtlich ihrer Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit ist ein Spezialgebiet der Geodynardo GmbH aus Weimar. Solche Analysen haben gegenüber einfachen, klassischen Ingenieurmodellen im Bauwesen wesentliche Vorteile: Bauwerke können im Gesamtmodell oder in repräsentativen Teilmodellen berechnet werden, was die Erfassung von Interaktionen verschiedener Strukturbereiche sowie dynamische oder außergewöhnliche Einwirkungen – Erdbeben, Anprall, Brand – zulässt. Dies wiederum ermöglicht, dass bauliche Maßnahmen zur Erhaltung und Ertüchtigung besonders zielgerichtet geplant und durchgeführt werden können. Zwei Beispiele:

Beispiel Mainbrücke Marktheidenfeld

Für die realitätsnahe Untersuchung der Tragfähigkeit der Mainbrücke in Marktheidenfeld gegenüber Schiffsstoß ist neben der Einbeziehung des räumlichen Tragverhaltens auch die Simulation des dynamischen Bauwerksverhaltens wichtig. Das Bild 1 zeigt das vollständige FE-Modell der Brücke sowie ihre unterschiedlichen Teilbereiche und Baustoffe. Durch eine transient-dynamische Analyse werden über vereinfachte, quasistatische Berechnungen hinaus weitere Lastreserven erschlossen. Das Schaubild (Bild 2) zeigt die zeitliche Entwicklung der Reaktionskräfte infolge eines frontalen Schiffsanpralls auf den zweiten Pfeiler der Brücke.

Bild 1: Plastische Dehnungen EPPL_EQV am Ende des Stoßvorgangs. | © Geodynardo Bild 1: Plastische Dehnungen EPPL_EQV am Ende des Stoßvorgangs. | © Geodynardo

Bild 2: Frontalstoß auf Pfeiler 2: Historie der Reaktionskräfte der Pfeiler. | © Geodynardo

Bild 2: Frontalstoß auf Pfeiler 2: Historie der Reaktionskräfte der Pfeiler. | © Geodynardo

Vortrag: Simulation-based Assessment of Durability, Load-bearing Capacity, & Reliability of Traffic Infrastructure

Speaker: Dr.-Ing. Roger Schlegel, CEO, Geodynardo GmbH

Jetzt teilnehmen: CADFEM World Conference 2026, 20. – 22. Oktober 2026, Darmstadt

Alle Informationen zu CADFEM World Conference 2026

Dr.-Ing. Roger Schlegel

Gut sichtbar wird auch die dynamische Bauwerksantwort: Das Maximum der Reaktionskräfte unter Pfeiler 2 fällt nicht mit dem Zeitpunkt der maximalen Lastamplitude zusammen, sondern es tritt erst am Ende der ersten Impulsphase ein, die einen deutlich größeren Gradienten hat. Zusätzlich zeigt die Simulation die plastischen Dehnungen am Ende des Stoßvorgangs. Es wird deutlich, dass die bleibenden Verformungen von ca. 5 mm am Pfeiler 2 und 1,5 mm am Pfeiler 3 vorwiegend durch die plastischen Dehnungen im Untergrund verursacht werden.

Mit der dynamischen Simulation des Schiffstoßes am Gesamtmodell der Mainbrücke Marktheidenfeld ist es möglich, Lastreserven zu erschließen und damit die Gebrauchstauglichkeit und Tragfähigkeit eines bestehenden Bauwerks realitätsnah einzuschätzen.

Beispiel Zustandsüberwachung einer Stahlbetonbrücke

Ein von Geodynardo entwickeltes Simulationsmodell schafft die Möglichkeit, den Zustand einer Kanalbrücke mit Dreigelenkbögen aus Stahlbeton sowie ihrer historischen Brückenlager und Gelenke im Jahresgang zu überwachen. In Bild 3 werden die Verformungen anhand des räumlichen Simulationsmodells dargestellt, das mit vor Ort am Bauwerk durchgeführten Messergebnissen im Jahresgang kalibriert wurde. Neben den Einwirkungen aus Eigengewicht und der Wasserfüllung gehen auch die Temperaturdaten im Jahresgang in das Modell ein.

Bild 3: Vertikale Relativverschiebungen infolge Wasserfüllung der Kanalbrücke. | © Geodynardo

Bild 3: Vertikale Relativverschiebungen infolge Wasserfüllung der Kanalbrücke. | © Geodynardo

Bild 4: Modellkalibrierung durch Abgleich der Verformungen des Simulationsmodells mit den gemessenen Werten der Bauwerksüberwachung. | © GeodynardoBild 4: Modellkalibrierung durch Abgleich der Verformungen des Simulationsmodells mit den gemessenen Werten der Bauwerksüberwachung. | © Geodynardo

 Zum einen können über dieses Simulationsmodell neue Messungen ausgewertet und die Auswirkungen auf den Beanspruchungszustand des Bauwerks abgeleitet werden. Zum anderen ermöglicht es, anhand des kalibrierten Modells weitere Szenarien im Jahresgang zu prognostizieren, erforderliche Erhaltungsoptionen fundiert zu analysieren und mit diesen Informationen das Bauwerk im Bestand mit gezielten Maßnahmen zu ertüchtigen.

Über Geodynardo

Die Geodynardo GmbH mit Sitz in Weimar ist ein Ingenieur- und Softwareentwicklungsunternehmen. Der Schwerpunkt liegt auf Beratungs- und Berechnungsdienstleistungen für komplexe Fragestellungen in der Geotechnik und im Bauwesen, stochastische Analysen sowie numerische Simulationen. www.geodynardo.eu

Portrait_Roger_Schlegel_Blog

Autor

Dr.-Ing. Roger Schlegel

Geodynardo GmbH
CEO

Portrait_AK_Blog

Autor

Alexander Kunz

CADFEM Germany GmbH

+49 (0)8092 7005-889
akunz@cadfem.de

Portrait_KKU_Blog

Redaktion

Klaus Kuboth

CADFEM Germany GmbH

+49 (0)8092 7005-279
kkuboth@cadfem.de