Digitaler Produktpass (DPP): Pflicht und große Chance
Marc Vidal
23.09.2026
Pflicht erfüllen. Transparenz schaffen. Wettbewerb stärken.
Der Digital Product Passport (DPP), ein zentrales Instrument der neuen EU-Ökodesign-Verordnung für nachhaltige Produkte (ESPR), wird ab 2027 für immer mehr Produktgruppen verpflichtend. Im DPP werden alle relevanten Daten zu einem Produkt digital gebündelt. Das gestattet eine strukturierte Bereitstellung von Informationen zu Komponenten, Materialien und Inhaltsstoffen sowie zur Reparierbarkeit, zu Ersatzteilen und einer fachgerechten Entsorgung. Damit unterstützt der DPP das voranschreitende Digital Engineering und fördert eine hohe Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Zusätzlich wird den Unternehmen dadurch ermöglicht, sich im Markt stärker zu differenzieren.
Zusammenfassung
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Die Einführung eines Materialdatenmanagements spielt bei der Datenbereitstellung für den DPP eine entscheidende Rolle. Durchgängige digitale Prozesse in Entwicklung und Simulation unterstützen die strukturierte Datenerfassung und -nutzung.
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Konsistent zusammengeführte DPP-Daten ermöglichen bereits in frühen Entwicklungsphasen fundierte, zielgerichtete Produktentscheidungen. Gleichzeitig werden Aufwände in Reporting, Nachweisführung und Kommunikation erheblich reduziert.
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Der für den DPP erforderliche Datenpool verbessert die Transparenz und Nutzung von Produktinformationen nachhaltig. Das stärkt die Wettbewerbsfähigkeit und schafft neue Möglichkeiten zur Differenzierung im Markt.
Instrument zur gezielten Stärkung der europäischen Wirtschaft
Als zentraler Baustein der europäischen Nachhaltigkeits- und Kreislaufwirtschafts-Strategie ist der DPP ein Instrument zur gezielten Stärkung der europäischen Wirtschaft. Denn damit lässt sich die Ressourceneffizienz verbessern und die beteiligten Akteure können unter fairen Wettbewerbsbedingungen in Europa fundierte Entscheidungen bezüglich ihrer Produktentwicklungen treffen.
Regulatorische Anforderungen an den DPP
Die produktspezifisch konkreten Anforderungen an den DPP werden im Rahmen von delegierten Rechtsakten pro Produktgruppe separat festgelegt. Grundlage dafür sind bereits verabschiedete Richtlinien, unter anderem für Bauprodukte, Spielwaren, Detergenzien (Reinigungsmittel), Batterien sowie für Maschinen oder Anlagen.

Die Zeitschiene für die Einführung des Digital Product Passport (DPP) für unterschiedliche Produktgruppen. | © GS1 Calendrier de déploiement du Digital Product Passport (DPP) pour les différentes catégories de produits. | © GS1 Timeline for the introduction of the Digital Product Passport (DPP) across different product categories. | © GS1 Switzerland
In einem DPP sind beispielsweise folgende Informationen enthalten:
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allgemeine Informationen, wie Produktname, Zolltarifnummer, eindeutige Identifier des Produktes
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technische Produktinformationen: Attribute, die insbesondere aus Zertifizierungsgründen relevant sind, zum Beispiel Widerstandsfähigkeit und Lebensdauer
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Informationen zu bedenklichen Stoffen: Deklarationen zu «Substances of High Concern», ROHS-Compliance
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Informationen zu «Critical Raw Materials»: Verbaute kritische Rohmaterialien, insbesondere Permanentmagnete
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Umweltinformationen: wie Deklarationen zum CO2-Fußabdruck, Recyclingfähigkeit und Demontage
Hauptherausforderung: Vollständigkeit der Daten
Die Umsetzung eines DPP stellt Unternehmen vor die große Herausforderung der notwendigen Datenerhebung, wie und wo dies erfolgen kann. Das Problem ist meist, dass relevante Datensätze entweder sehr aufwändig zu ermitteln sind oder teilweise gar nicht vorliegen, da diese von vorgelagerten Akteuren in der Wertschöpfungskette abhängig sind.
Der Gesetzgeber ist sich dieser Thematik bewusst. Darum gehören unter anderem Stahl, Eisen und Aluminium zu den ersten Produktgruppen mit DPP-Pflichterfordernis. Eine komplexe Stückliste eines produzierten Produktes geht jedoch weit über diese Vormaterialien hinaus. Daten, die heute verstreut in Ordnern, Excel-Listen oder E-Mails lagern, müssen strukturiert erfasst und für automatisierbare Workflows bereitgestellt werden.
Digitaler Produktpass erfolgreich umsetzen: Materialdaten als Schlüssel für Compliance und Engineering
Gemeinsam mit den Experten von GS1 Switzerland und CADFEM erfahren Sie, welche Anforderungen der DPP an Datenstrukturen stellt und wie diese Informationen in Engineering-Prozessen nutzbar gemacht werden können.
Live-Webinar: 02.11.2026, 15:30-16:30 Uhr
Materialdaten erfassen und strukturiert bereitstellen
Die Einführung eines Materialdatenmanagements hilft nicht nur der Entwicklung und Produktion sowie dem Einkauf relevante Materialdaten konsistent zu pflegen, sondern spielt bei der Datenbereitstellung für den DPP eine entscheidende Rolle. Ein System wie Ansys Granta MI ermöglicht es, Materialdaten und -wissen zentral zu erfassen, zu strukturieren und qualitätsgesichert bereitzustellen.
Zusätzlich bietet es Zugriff auf generische Referenzdatensätze, die auf validierten Branchenwerten basieren. Sie können genutzt werden, um fehlende Informationen zu ergänzen. Dies ermöglicht eine pragmatische und zugleich konsistente Umsetzung regulatorischer Anforderungen.
CADFEM als Spezialist für Digital Engineering – mit Expertise im Bereich Materialdatenmanagement, Simulation und digitale Prozesse – unterstützt den Aufbau der Strukturen, die für einen DPP notwendig sind und hilft, die sich dadurch ergebenden Potenziale zu erschließen.
Durchgängigkeit für eine schnellere Produktentwicklung
Ein besonders weitreichender Mehrwert des DPP ergibt sich durch die vom Gesetzgeber geforderte Bereitstellung von strukturierten und maschinenlesbaren Materialdaten. Diese sind nach einem branchenübergreifend identischen Schema aufgebaut und mit der weltweit eindeutigen Identifikation von Produkten verknüpft.
Somit lassen sich Daten von DPPs aus der Wertschöpfungskette direkt in die jeweiligen IT-Systeme der Unternehmen einlesen und verarbeiten, ohne Tipparbeit und die Befürchtung von Identifikationskonflikten. Die weltweite Standardisierungsorganisation GS1, stellt eindeutige Identifikationsschlüssel und Vokabularien bereit, die eine zentrale Rolle bei der Implementierung des DPP spielen. Außerdem ist GS1 nicht nur Ansprechpartner bei allen Fragen rund um den DPP, sondern auch bei der Exploration weiterer Potentiale, die über den gesetzlich verpflichtenden Kern eines DPP hinausgehen.
Materialdatenblätter in interoperable Datensätze überführen
Mit der Implementierung des DPP werden klassische Materialdatenblätter in digitale, interoperable Datensätze überführt. Gleichzeitig stehen umfassende, eindeutige Daten für alle Anwendungen zur Verfügung. Das reicht von der automatisierten Bereitstellung der DPP-relevanten Materialdaten – wie ökologischer Fußabdruck, enthaltene Substanzen und Konzentrationen – bis zur Verfügbarkeit der tatsächlichen Stücklisten.
Ebenso greifen CAD- und CAE-Systeme auf die technisch relevanten Daten für Design- und Simulationsprozesse zu. Auf Grundlage dieser Durchgängigkeit lassen sich bereits in frühen Entwicklungsphasen fundierte Produktentscheidungen zielgerichtet treffen. So entsteht eine durchgängige digitale Prozesskette mit großer Transparenz und umfassender Automatisierbarkeit vom Materialhersteller über Komponentenlieferanten bis zur Montage des Endproduktes.

Daten-Konsistenz, frühes Risikomanagement und automatisierte Datenaggregation für den DPP. | © CADFEM Germany GmbH
Prozesse zur Qualitätssicherung automatisieren
Die digitale Verfügbarkeit von Produktdaten erlaubt zusätzlich eine effizientere Produktionsplanung und verbessert die Rückverfolgbarkeit von Materialien. Prozesse zur Qualitätssicherung lassen sich durch den direkten Zugriff auf relevante Daten automatisieren und beschleunigen, so dass Fehler reduziert und Prozesse stabilisiert werden.
Zur Unterstützung der Kreislaufwirtschaft können präzise Informationen zur Materialzusammensetzung und Recyclingfähigkeit genutzt werden. Sie unterstützen die gezielte Wiederverwendung von Materialien und die Erzeugung von hochwertigen Sekundärrohstoffen. Damit lassen sich nicht nur ökologische Ziele erreichen, denn der effizientere Ressourceneinsatz bringt auch wirtschaftliche Vorteile.
Letztendlich eröffnet der DPP das Tor zu neuen Geschäftsmodellen und Serviceangeboten auf der Basis von digitalen Materialdaten. Konzepte wie „Material as a Service“ werden so realisierbar. Indem Materialdaten direkt in die Entwicklungs- und Fertigungsprozesse des Kunden eingebunden werden, entsteht eine intensive Vernetzung. Diese enge Zusammenarbeit reduziert Iterationsschleifen und erhöht die Effizienz auf beiden Seiten.
Herausragender Nutzen durch Verlässlichkeit der Daten
Der DPP entfaltet seinen herausragenden Nutzen primär nicht durch die geforderte Dokumentation, sondern durch einhergehende Verfügbarkeit und Verlässlichkeit der zugrunde liegenden Daten. Gerade im Kontext der Material Compliance zeigt sich, dass bestehende Prozesse und Systeme häufig bereits relevante Informationen enthalten. Diese sie sind jedoch fragmentiert, schwer zugänglich oder entlang des Produktlebenslaufs nicht miteinander verknüpft.
Vorhandene Daten konsistent zusammengeführt
Deshalb ist nicht der Aufbau neuer Datensilos gefragt, sondern die gezielte Konsolidierung vorhandener Informationen ist entscheidend. Wer Materialdaten, Stücklisten, Lieferanteninformationen und regulatorische Anforderungen konsistent zusammenführt, schafft die Grundlage für den DPP. Gleichzeitig werden die Aufwände in Reporting, Nachweisführung und Kommunikation entlang der gesamten Wertschöpfungskette erheblich reduziert.
Unternehmen, die diesen Zusammenhang frühzeitig erkennen und nutzen, sichern sich regulatorische Konformität und verbessern zusätzlich die Transparenz und Nutzbarkeit ihrer Produktinformationen nachhaltig. Das ermöglicht eine klarere Differenzierung beim Marktauftritt und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit.
Über GS1 Switzerland – The Global Language of Business
GS1 Switzerland ist Teil der internationalen, nicht profitorientierten Organisation GS1 Global. Die Anwendung der weltweiten GS1-Standards steigert die Transparenz, Effizienz und Sicherheit in verschiedenen Branchen entlang der Wertschöpfungskette. GS1-Lösungen bieten eine Vielzahl an Möglichkeiten, um Informationen in kompakter Form zu identifizieren, zu erfassen und auszutauschen. Die Organisation leistet einen wichtigen Beitrag an die Entwicklung sowie die Digitalisierung in der Wirtschaft und fördert die Lebensqualität der Gesellschaft.