Analoger Astronaut & simulierter Simulant
Alexander Kunz
29.09.2026
Reaching for the Stars – mit Leidenschaft und Simulation
Wahrscheinlich hat die Oma von Ludwig Sapper recht: Man sollte nicht alles auf einmal machen. Aber es geht: Ludwig bringt derzeit unter anderem Masterstudium, Ironman, Raketenentwicklung und ein Trainingsprogramm für zukünftige Astronauten unter einen Hut. Wo ihm Simulationen helfen und wie es ist, selbst Teil einer Simulation zu sein, hat er uns in einem besonderen Interview erzählt. Weitere Einblicke gibt er auf der CADFEM World Conference in Darmstadt.
Zusammenfassung
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Analoge Raumfahrtmissionen wie Asclepios bereiten angehende Raumfahrende unter realitätsnahen Bedingungen auf Isolation, Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen vor.
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Numerische Simulation unterstützt Ludwig Sapper bei der praktischen Raketenentwicklung im WARR-Team der TU München, unter anderem bei leichten Typ-5-Tanks aus Carbon und feststoffgetriebenen Raketen.
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Simulation verbindet Theorie und Praxis: Erfahrungen mit FEM und Ansys aus dem Studium fließen direkt in anspruchsvolle studentische Raumfahrtprojekte ein und unterstützen die Entwicklung und Bewertung neuer Lösungen.
Wer wissen möchte, wie sich eine Mondmission anfühlt, muss in die Schweizer Alpen fahren. Dort, weit oben in der Festung Sasso San Gottardo, befindet sich ein Tunnelsystem, das topologisch dem Mond ähnelt. Genau an diesem Ort verbringen 10 Studierende aus aller Welt, die unter Tausenden Bewerbern ausgewählt wurden, zwei Wochen in vollkommener Abgeschiedenheit. Die Teilnehmer verbindet, dass sie ihre Zukunft in der Raumfahrt sehen. Bei der Mission „Asclepios“ sollen sie spüren, was sie vielleicht erwartet. Einer davon ist Ludwig Sapper. Der Masterand der Luft- und Raumfahrttechnik an der TU München ist auch Ironman-Finisher, Raketenentwickler, überzeugter Ansys-Anwender und ein sympathischer, reflektierter junger Mann.
In den zwei Wochen in der Festung ist die Gruppe „analoger Astronauten“ völlig auf sich alleine gestellt und dabei Teil einer vielschichtigen Simulation. Simuliert werden Grenzerfahrungen: Kein Kontakt zur Außenwelt, wenig Platz, keine Intimsphäre, dafür sind die anderen Teilnehmer mit ihren unterschiedlichen Biografien und Charakteren immer in der Nähe. Nicht zuletzt geht es um Psychologie, Toleranz und absolutes gegenseitiges Vertrauen, oder, wie Ludwig Sapper es formuliert:
Wir werden trainiert, Freunde zu sein.
Warum tut sich das jemand an? Antwort: Aus Leidenschaft für die Raumfahrt. Um das Ziel „Astronaut“ zu erreichen, sind neben guten Noten in relevanten Fachgebieten Erfahrungen wie Asclepios und einschlägige Engagements unabdingbar. Diesen Ratschlag hat Ludwig Sapper von jemandem erhalten, der es wissen muss: Professor Dr. Ulrich Walter, früher selbst Astronaut und bis 2025 Lehrstuhlinhaber für Astrodynamik an der TUM.

Ludwig Sapper auf dem Weg zum Spaceport America Cup 2024 (SAC) in der Wüste New Mexicos. | © WARR
Studentischer Raketen-Wissenschaftler im WARR-Team
Die WARR („Wissenschaftliche Arbeitsgemeinschaft für Raketentechnik und Raumfahrt“) ist die größte Studierendengruppe an der TUM. Schon seit 1962 aktiv, beschäftigen sich heute über 650 Mitglieder mit anspruchsvollen Projekten rund um das Thema Weltraum. Ludwig Sapper hat bei der WARR viele Bereiche durchlaufen, am Ende leitete er die Raketenentwicklung. Im Studium an der TUM ist er mit FEM, Ansys und CADFEM in Berührung gekommen, bei der WARR konnte er seine Simulationskenntnisse praktisch anwenden: Bei der Entwicklung besonders leichter Typ-5-Tanks aus Carbon genauso wie bei einem selbst initiierten Projekt zu feststoffgetriebenen Raketen, bei dem das Team der TUM 2024 in den USA als einziges aus 150 Startern erfolgreich zweistufig geflogen ist.
WARR und Ludwig Sapper der CADFEM Conference in Darmstadt
WARR ist ein von CADFEM Academic gefördertes studentisches Team, das intensiv mit Ansys arbeitet, und wird auf der CADFEM World Conference in Darmstadt seine aktuellen Entwicklungen zum Anfassen vorstellen. Auch Ludwig ist vor Ort dabei und steht am WARR-Stand Rede und Antwort bei allen Fragen zu Entwicklung und Simulation der Rakete. Und er wird als Referent über die Astronauten-Ausbildung und das Asclepios-Projekt vortragen - obwohl er seine eigene Teilnahme kurzfristig schweren Herzens absagen musste. Der Grund sind weitere Verpflichtungen - seine Oma hat es ja gleich gesagt.
Schauen Sie jetzt das Interview mit Ludwig Sapper an: