Einstieg in Ansys Mechanical: In 6 Schritten zur professionellen Struktursimulation

Simulation „nebenbei“ im CAD funktioniert – bis Baugruppen komplex werden, Normen oder Dynamik ins Spiel kommen sowie nichtlineare Effekte sicher bewertet werden müssen. Dann stellt sich die Frage: Reicht ein CAD-integriertes Tool noch aus oder brauchen wir eine professionelle Simulationslösung wie Ansys Mechanical? In diesem Beitrag zeigen wir, wie Sie den Umstieg in sechs Schritten strukturiert angehen, von der ersten Bedarfsanalyse bis zum Health-Check im laufenden Betrieb. So wird der Einstieg in Ansys Mechanical eine planbare Investition in Vorhersagegüte, Stabilität und Effizienz.

Zusammenfassung 

  • Der Wechsel von CAD‑integrierten FEM‑Tools zu Ansys Mechanical wird über eine klare Bedarfsanalyse, passende Lizenzierung und zielgerichtetes Onboarding strukturiert vorbereitet.
  • Praxisnahe Trainings, robuste CAD‑Modellimporte und erste definierte Use Cases sorgen für einen schnellen Einstieg in reproduzierbare, professionelle Simulationen.
  • Kontinuierlicher Support sowie regelmäßige Health‑Checks sichern langfristig effiziente Workflows, aktuelle Methoden und nachhaltige Simulationsqualität. 

Viele Unternehmen nutzen CAD-integrierte FEM-Tools, um Spannungen oder Verformungen möglichst früh im Konstruktionsprozess abzuschätzen. Für einfache Geometrien und lineare Lastfälle funktioniert das in der Regel zuverlässig. Doch bei komplexeren Baugruppen, nichtlinearen Effekten oder wenn es um normgerechte Nachweise geht, zeigt sich je nach Tool früher oder später, dass dieser Ansatz methodische und praktische Grenzen hat.

An diesem Punkt fragen sich viele Entwicklungsabteilungen:

Wie gelingt der Schritt von CAD-integrierter FEM hin zu einer spezialisierten Software für Struktursimulation? Wo fangen wir am besten an? Und wie stellen wir sicher, dass der Umstieg nicht im Tagesgeschäft stecken bleibt?

Genau dafür hat CADFEM einen strukturierten Fahrplan mit sechs Schritten entwickelt.  

1. Individuelle Bedarfsanalyse: Was soll die Simulation leisten?

Bevor über Lizenzen, Module oder Schulungen gesprochen wird, lohnt sich ein genauer Blick auf Ihre Ziele und Randbedingungen:

  • Welche Bauteile oder Baugruppen sollen simuliert werden?

  • Mit welchen Lastfällen, Materialien und Randbedingungen haben Sie üblicherweise zu tun?

  • Geht es „nur“ um statische Festigkeit oder auch um nichtlineare, thermische oder dynamische Effekte?

  • Welche Normen und Richtlinien (z. B. FKM, 2230) spielen eine Rolle?

  • Wie sieht Ihre aktuelle IT- und CAD-Landschaft aus?

In dieser Phase geht es darum, gezielt zu prüfen, wo Simulation in Ihren Prozessen den größten Mehrwert bringt. Dabei hat sich bewährt, zunächst ein bis drei zentrale Anwendungsfälle zu definieren, die abgedeckt werden sollen. Das können zum Beispiel die Festigkeitsbewertung geschweißter Rahmen, die normgerechte Auslegung von Schraubverbindungen oder systematische Variantenstudien an besonders kritischen Bauteilen sein.

Diese Kernanwendungen dienen als Leitplanken für den weiteren Umstieg: Sie helfen bei der Auswahl des passenden Softwarepakets, bei der Trainingsplanung und bei der Priorisierung der ersten Projekte. Je klarer diese Anforderungen formuliert sind, desto zielgerichteter und praxistauglicher kann der nächste Schritt erfolgen.

Vertiefen Sie Ihr Wissen: Whitepaper „Ihr Einstieg in professionelle FEM“

Erfahren Sie im Whitepaper, wie Sie Struktursimulation in Ihrem Unternehmen strukturiert aufbauen, typische Fallstricke vermeiden und welche Rolle Ergebnisgüte, Stabilität und IT-Integration in der Praxis wirklich spielen. Zwei Case Studies zeigen, wie Ansys Mechanical in realen Projekten angewendet wird.

Jetzt Whitepaper herunterladen und fundiert in die FEM einsteigen
CADFEM Whitepaper_Ihr Einstieg in professionelle FEM_DE_COVER

2. Passgenaues Softwarepaket: Was brauchen Sie wirklich?

Ansys Mechanical gibt es in unterschiedlichen Ausbaustufen und Konfigurationen. Ziel ist nicht, „möglichst viel“ zu lizensieren, sondern genau das, was Sie für Ihre Anwendungsfälle brauchen.

Typische Fragen in diesem Schritt:

  • Reicht eine konstruktionsbegleitende Statik oder werden auch komplexere Nichtlinearitäten benötigt?

  • Spielen Themen wie Topologieoptimierung, Lebensdauer oder Schwingungen eine Rolle?

  • Wie viele Anwender sollen parallel arbeiten können?

  • Welche Kopplungen, z. B. zu bestehenden CFD-Lösungen, sind sinnvoll?

Auf Basis der Bedarfsanalyse entsteht nun ein konkreter Vorschlag für Ihr Ansys-Setup. Wir schauen uns genau an, welche Variante von Ansys Mechanical – Pro, Premium oder Enterprise – Ihre Anforderungen sinnvoll abdeckt. Außerdem klären wir, welche Schnittstellen Sie brauchen, um Ihre CAD- und PLM-/PDM-Umgebung sauber anzubinden, und welches Lizenzmodell am besten zu Teamgröße, Nutzungsintensität und Budget passt.

Daraus lässt sich dann ein erster Migrations- und Einführungsplan ableiten. Er legt fest, welche Use Cases in welcher Reihenfolge umgesetzt werden sollen, wie der Übergang von den bisherigen CAD-integrierten Tools aussieht und welche Meilensteine den produktiven Einsatz markieren. Wichtig ist, dass Sie schnell mit echten Aufgaben starten. So bleibt die Einführung nicht theoretisch.

3. Schnelles Onboarding: Vom ersten Modell zum produktiven Einsatz

Die beste Software bringt wenig, wenn sie im Alltag nicht genutzt wird. Deshalb lohnt es sich, die Einführung gezielt zu strukturieren. Bei uns besteht diese Phase typischerweise aus drei Bausteinen:

  1. Praxisnahe Trainings: Statt abstrakter Beispielmodelle stehen Ihre eigenen Anwendungen im Mittelpunkt. So lernen Ihre Mitarbeiter Ansys Mechanical direkt an Aufgaben kennen, die später tatsächlich im Projekt auftreten.

  2. Begleitete Startphase: In den ersten Projekten bauen wir Modelle gemeinsam auf, berechnen sie und werten sie aus. So können wir Ergebnisse mit den bisherigen Methoden oder Erfahrungswerten abgleichen und Modellierungen sowie Einstellungen bei Bedarf nachschärfen. Das schafft Sicherheit und verhindert, dass Fehleinstellungen versehentlich „mitgeschleppt“ werden.

  3. Klare Rollen im Team: Früh festzulegen, wer Ansys Mechanical regelmäßig nutzt, wer nur gelegentlich einsteigt und wer als interne Ansprechperson fungiert, hilft beim gezielten Kompetenzaufbau. Ziel ist, Abhängigkeiten von Einzelpersonen zu vermeiden und das Wissen stattdessen strukturiert im Team zu verankern.

In dieser Phase soll Ihr Team möglichst schnell eigenständige, lauffähige Modelle aufbauen und Ergebnisse fachlich bewerten können. Dabei muss noch nicht jedes Detail perfekt sein: Erfahrung und Tiefe wachsen mit der Zeit. Erst einmal ist entscheidend, dass die Hemmschwelle sinkt und die professionelle FEM-Software als verlässliches Werkzeug im Alltag angenommen wird.

4. Nahtlose Simulationen: Datenübernahme und erste Use Cases

Oft fragen uns Unternehmen: „Was passiert beim Import mit unseren bestehenden CAD-Modellen?“

Tatsächlich zeigt sich hier der Nutzen einer eigenständigen Simulation: CAD-Modelle werden robust importiert und nicht relevante Details lassen sich gezielt entfernen oder vereinfachen. Dabei werden Kontakte, Volumina und Flächen automatisch erkannt und für den Modellaufbau genutzt.

Der Vorteil: Die Simulation läuft parallel zum Konstruktionsprozess, ohne die CAD-Stände zu beeinflussen. Das vermeidet Versionskonflikte und ermöglicht flexiblere, schnellere Arbeitsabläufe.

Gerade am Anfang lohnt es sich, ein bis zwei typische Anwendungsfälle einmal komplett in Ansys Mechanical durchzuspielen. So sehen Sie schnell, wo die Stärken der Software liegen und an welchen Stellen sich Ihre bisherigen Workflows gezielt verbessern lassen.

So laufen die ersten Use Cases ab:

  1. CAD-Modell durch integrierte oder freie Schnittstelle importieren (z.B. IGES, STEP, Parasolid)
  2. Optional: Geometrie vereinfachen (Defeaturing, Entfernen irrelevanter Details)
  3. Kontakte und Bereiche erkennen lassen (Volumina, Flächen, Kontaktpaare)
  4. Vernetzen und Randbedingungen definieren
  5. Lastfälle berechnen und Ergebnisse auswerten
  6. Mit bisherigen Ergebnissen aus CAD-integrierten Tools oder Tests vergleichen

5. Technischer und IT-Support: CADFEM lässt Sie nicht allein

Vor allem in den ersten Monaten tauchen erfahrungsgemäß viele Detailfragen auf – fachlich wie organisatorisch. Hier ist es wichtig, einen Partner an der Seite zu haben, der sowohl technisch als auch IT-seitig unterstützen kann. So vermeiden Sie, dass sich kleine Hürden zu Frustpunkten entwickeln und die Software am Ende nicht genutzt wird.

Bei CADFEM bekommen Sie:

  • Unterstützung bei Modellierungs- und Solverfragen, etwa wenn ein Kontaktproblem nicht konvergiert, ein nichtlineares Materialmodell angepasst werden muss oder unklar ist, welcher Lösungsansatz für einen bestimmten Fall geeignet ist.

  • Hinweise zur Prozessoptimierung, z. B. bei der Gestaltung sinnvoller Workflows, der Standardisierung von Einstellungen oder der Einführung von Best Practices. Gute Vorgehensweisen sollen sich im gesamten Team etablieren.

  • Hilfe bei Installation, Lizenzverwaltung und Updates, damit technische Hürden den produktiven Einsatz nicht ausbremsen. Völlig egal, ob neue Versionen eingebunden werden sollen, es um den Lizenzserver geht oder IT-Sicherheitsfragen aufkommen.

  • Vier-Augen-Checks, wenn Sie eine zweite Meinung zu einem Modell, einer Vernetzung oder zu Ergebnissen möchten, noch bevor diese intern oder extern weitergegeben werden.

6. Regelmäßige Health-Checks: Holen Sie das Beste aus Ihrer Anwendung heraus

Auch wenn der Einstieg geschafft ist, helfen regelmäßige Health-Checks dabei, den eigenen Simulationsbetrieb immer wieder auf den Prüfstand zu stellen:

  • Passen Workflows noch zu den aktuellen Projekten?

  • Gibt es neue Funktionen, die bestehende Abläufe vereinfachen könnten?

  • Sind Modelle und Methoden noch State-of-the-Art?

  • Gibt es Engpässe bei Rechenzeiten, Know-how oder Prozessabläufen?

Manche Arbeitsschritte oder Routineaufgaben lassen sich durch Templates oder Scripting deutlich vereinfachen. Auch Methoden sollten regelmäßig überarbeitet oder aktualisiert werden, etwa weil sich Normen, Werkstoffe oder Randbedingungen geändert haben. Und oft lässt sich durch gezielte Mitarbeiterschulungen deutlich mehr aus der vorhandenen Software herausholen.

Solche regelmäßigen Checks senden auch ein wichtiges Signal ans Team: Professionelle Simulationssoftware ist kein einmaliges Einführungsprojekt. Als fester Bestandteil der Produktentwicklung entwickelt sie sich mit den Anforderungen weiter. Das bedeutet auch: Sie lassen Ihre Mitarbeiter mit offenen Fragen, neuen Aufgaben oder gelegentlichen Problemen nicht allein. Die Health-Checks schaffen bewusst Raum, um den Simulationsprozess kontinuierlich zu verbessern.

Einstieg in Ansys Mechanical: Vom Plan zur Praxis

Der Wechsel von CAD-integrierten FEM-Tools zu Ansys Mechanical passiert nicht auf Knopfdruck. Aber es muss auch kein Sprung ins Ungewisse sein. Wenn Bedarfsanalyse, Softwareauswahl, Onboarding, Datenübernahme und laufende Betreuung zusammenpassen, wird aus vielen Fragezeichen ein strukturierter Prozess, der sich in besserer Vorhersagegüte, stabileren Simulationen und effizienteren Workflows auszahlt.

Denken Sie darüber nach, wie ein Einstieg in Ansys Mechanical für Ihr Unternehmen konkret aussehen kann? Dann ist jetzt der Moment für den nächsten Schritt. Zum Beispiel in Form eines unverbindlichen Erstgesprächs oder in unserem Webinar. Dort stellen wir Ihnen Ansys Mechanical anhand typischer Anwendungsfälle vor und beantworten Ihre Fragen – konkret und praxisnah.

Portrait_Blog_OS

Autor

Oliver Siegemund

CADFEM Germany GmbH

+49 (0)8092 7005-723
osiegemund@cadfem.de

Portrait_KKU_Blog

Redaktion

Klaus Kuboth

CADFEM Germany GmbH

+49 (0)8092 7005-279
kkuboth@cadfem.de